Online-Befragungen im Zeichen moderner Forschungskultur

Im Gespräch im Johannes Hercher, Verstand Rogator AG

EuPD Research Sustainable Management
Die Rogator AG hat auch in 2016 wieder den Bewerbungsprozess des Corporate Health Awards unterstützt. In diesem Jahr wurde der Qualifizierungsbogen angepasst und unter anderem um eine Antwort-Kategorie („teilweise vorhanden“/“in der Umsetzung“) ergänzt. Inwiefern hilft eine solche Differenzierung, die Varianzen der BGM-Systeme in den Unternehmen besser darzustellen?


Johannes Hercher, Rogator AG
Die Skalenbreite bzw. die breitere Differenzierung der Antwortmöglichkeiten bietet zum einen dem Teilnehmer die Möglichkeit der präziseren Antwortkategorie und unterdrückt damit das Überspringen oder gar Falschantworten der betreffenden Frage. Zum anderen werden dadurch natürlich präzisere und differenziertere Ergebnisse erzielt. Insgesamt führt die breitere Differenzierung zu einem Qualitätsanstieg und einer detaillierteren Ergebnisdarstellungen.


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Das Qualitätsmodell und somit auch der Qualifizierungsbogen des Corporate Health Awards passen sich jährlich den Gegebenheiten und Veränderungen in der BGM-Landschaft an. Laut Ihrer Erfahrung: Welche Vorteile bringt eine stetige Anpassung einer wiederkehrenden Befragung mit sich?


Johannes Hercher, Rogator AG
Eine stetige Anpassung von Tracking Studien erscheint meist dann sinnvoll, wenn der Fragebogen sich hinsichtlich aktueller gesellschaftlicher, politischer oder konjunktureller Veränderungen und damit neuen, geänderten und aktuellen Rahmenbedingungen anpasst und in diesem Kontext natürlich auch validere Ergebnisse erzeugt werden (z.B. durch neue zusätzliche oder vertiefende Fragestellungen). Sofern sich die Anpassung auch auf bisherige Fragestellungen bezieht, ist auf der anderen Seite meist die Vergleichbarkeit der Befragungswellen betroffen und mitunter nur eingeschränkt möglich oder gar hinfällig. Dafür aber steigt die Aktualität und Relevanz hinsichtlich der veränderten Rahmenbedingungen und damit die Qualität und Aussagekraft der Studie. Darüber hinaus entstehen gerade bei Langzeitstudien oder wiederkehrenden Befragungen aus den Erkenntnissen neue, aktuelle oder vertiefende Fragestellungen, die für zukünftige und detailliertere Analysen wichtig sind. Diese gilt es zu übernehmen und sinnvoll einzubinden.


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Sie betreuen Projekte unterschiedlicher Größe mit einem variablen Umfang der jeweiligen Fragenkataloge. Inwiefern beeinflusst nach Ihrer Kenntnis die inhaltliche Tiefe der Fragen die Teilnahmebereitschaft der Befragten?


Johannes Hercher, Rogator AG
Inhaltliche Tiefe ist immer ein Zeichen von Relevanz und Ernsthaftigkeit und wirkt sich damit eher positiv auf die Teilnahmebereitschaft aus. Viel entscheidender für eine grundsätzliche Teilnahmebereitschaft sind Faktoren wie Themenrelevanz für den Teilnehmer, also die Frage, ob ich zu dem Thema etwas zu sagen habe bzw. ob mich das Thema überhaupt interessiert. Und welchen impact hat meine Teilnahme für die Studie? Wer ist Auftraggeber und welches Ziel verfolgt die Studie?

Unsere Erfahrung zeigt, dass weniger die Tiefe und damit auch die Länge des Fragebogens als die Relevanz des Themas entscheidend sind für die Teilnahme und das Durchhalten gerade bei umfangreicheren Frage-bögen, sofern es im Vorfeld entsprechend kommuniziert wird. Auch die oft beschworenen Incentives spielen eine eher untergeordnete bis keine Rolle. Hier geht es eigentlich nur um den wertschätzenden Umgang mit dem Zeitaufwand des Teilnehmers, der sich auf unterschiedliche Weise vollziehen kann. Sei es durch altruistische Incentives, also eine Spende von x Euro an eine karitative Einrichtung nach Wahl des Teilnehmers für jedes komplette Interview oder durch einen großen Nutzen der Studie für Teile der Gesellschaft oder die Allgemeinheit. Wichtig und erfolgversprechend ist immer die ehrliche Kommunikation und Aufklärung zu Beginn des Fragebogens über die voraussichtliche Dauer, Autor und Ziel der Befragung.


EuPD Research Sustainable Management
Auf welche Herausforderung stoßen Sie regelmäßig bei der Konzipierung von Befragungen? Wie reagieren Sie darauf?


Johannes Hercher, Rogator AG
Wir bei Rogator haben die Einstellung „geht nicht gibt´s nicht“ und erleben immer wieder, dass heute technisch nahezu alles geht bzw. umsetzbar ist. Unser Anspruch ist es dabei stets, dass sich die Konzeption und Durchführung einer Befragung für den Kunden ergebnis- und ertragswirksam auswirken und der Unternehmensstrategie des Kunden dienen. Die Befragungs-Prozesse werden insgesamt anspruchsvoller, komplexer und erfordern ausreichend Zeit für Planung und Konzeption. Hier ist falscher Ehrgeiz kontraproduktiv. Die Zeit und der Aufwand, die im Vorfeld in ein Befragungs-Projekt fließen, zahlen sich immer aus und entscheiden meist über den Erfolg eines Projektes.

Es gibt mittlerweile kaum mehr Fragestellungen, die nicht schon irgendwann durch irgendwen gestellt und umgesetzt wurden. Hierzu greift Rogator – als eines der ältesten Online-Befragungsunternehmen – auf langjährige Erfahrungen im Bereich der Online-Forschung zurück. Aber es wird trotz des mittlerweile nahezu vollständig vernetzten Homo Digitalis zunehmend schwerer, die exakte Zielgruppe für diverse Befragungs-themen zu erreichen. Selbst Anbieter sogenannter Online Access Panels können angefragte Zielgruppen vielfach nicht exakt oder in ausreichender Zahl anbieten. Hier weichen viele Kunden mehr und mehr darauf aus, eigene Kundenpanels und Zielgruppenpanels aufzusetzen, um jederzeit und günstig ad hoc-Fragestellungen beantwortet zu bekommen. Gleichzeitig wird es durch die teilweise schon inflationäre Befragungskultur immer schwieriger, relevante Zielgruppen zur Teilnahme an Umfragen zu motivieren. Hier bietet die zunehmende mobile Internetnutzung und die Optimierung der Befragungen für mobile Endgeräte gute Chancen, die Teilnehmer – wo auch immer gerade unterwegs – zu erreichen und zur Teilnahme an einer möglichst kurzen Befragung zu motivieren.


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Das Unternehmen Rogator steht ja bekanntermaßen auch für das Thema Mitarbeiter- und Führungskräfte-Befragungen. Welchen Stellenwert haben diese Projekte für Sie?


Johannes Hercher, Rogator AG
Die Durchführung und Betreuung von Mitarbeiterbefragungen und Führungskräfte-Feedbacks (oder auch der beliebten 360°-Feedbacks) ist von Beginn an ein wichtiges Standbein für die Rogator AG. Hierbei kommen uns übrigens auch die Erfahrungen zugute, die wir in der klassischen Marktforschung in punkto Fragebogen-entwicklung und Projektmanagement gesammelt haben. Bei Mitarbeiterbefragungen sind aber darüber hinaus noch weitere Kompetenzen gefragt, vor allem die Kommunikation im durchführenden Unternehmen selbst sowie natürlich die wichtigen Themen Anonymität und Datenschutz. Ziel ist es immer, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das nötige Vertrauen zu schaffen, dass mit ihren Daten seriös umge-gangen wird und diese nicht missbraucht werden.


EuPD Research Sustainable Management
Welches sind aktuell die “heißen” Themen bei Mitarbeiterbefragungen aus Ihrer Sicht?


Johannes Hercher, Rogator AG
Wir beobachten schon seit Jahren – und entwickeln auch unsere Fragebogeninstrumente in diese Richtung – dass Themen wie zum Beispiel gute Arbeitsbedingungen immer wichtiger werden. Unternehmen begreifen, dass sie in Bezug auf ihre Mitarbeiter auch im Wettbewerb mit anderen stehen und Bedingungen schaffen müssen, die dazu führen, dass Menschen gerne dort arbeiten. Dies beginnt bei einer flexiblen Arbeitszeit-gestaltung und endet bei der Wertschätzung der Mitarbeiter durch das Unternehmen und die Führungs-kräfte. Diese Aspekte werden dann logischerweise auch in der Mitarbeiterbefragung betont.

Ebenso werden immer stärker auch sogenannte psychisch-soziale Belastungsfaktoren abgefragt. Fühlt sich ein Mitarbeiter über- oder unterfordert? Ist er/sie in den Informationsfluss eingebunden? Wie sehr wird er/sie emotional in Anspruch genommen? Gibt es Konflikte am Arbeitsplatz? Wie sieht es mit der Kollegialität im Team aus? Wie funktioniert die Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben? Fragen dieser Art werden zunehmend wichtiger. Diese Komponenten der Gefährdungsbeurteilung sollten im Rahmen eines strukturierten Vorgehens kontinuierlich gemessen werden. Je nach Betrieb können individuell die jeweiligen Themen unterschiedlich intensiv und detailliert behandelt werden.

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