16. Juni 2011
Experteninterview mit Herrn Professor Dr. Weber und Frau Dr. Ferreira zum Thema Arbeitszufriedenheit
Am neunten Tag der Arbeitsmedizin in Wiesbaden fanden im Rahmen zahlreicher Vorträge zwei Experteninterviews zu aktuellen Themen im Bereich Betrieblichen Gesundheitsmanagements statt. Professor Dr. Weber und Dr. Ferreira nahmen Stellung zum Thema Arbeitszufriedenheit und legten deren Relevanz für Unternehmen dar.
Professor Dr. Thomas Weber ist Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin, Prävention und Gesundheitsförderung der Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Er ist Experte auf dem Gebiet des Betrieblichen Gesundheits-managements. Er vertritt einen integrierten Ansatz von Arbeits- und Gesundheitsschutz, Gesundheitsförderung und Betrieblichem Gesundheitsmanagement.
Dr. Yvonne Ferreira ist Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologin sowie Arbeitswissenschaftlerin am Institut für Arbeitsmedizin, Prävention und Gesundheitsförderung der Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Sie habilitiert sich über die wissenschaftliche Methodik des Konstrukts Arbeitszufriedenheit.
Herr Professor Weber, das Thema Arbeitszufriedenheit gewinnt immer mehr an Bedeutung. Was verstehen Sie grundsätzlich unter Arbeitszufriedenheit und welche Rolle spielt sie für das Betriebliche Gesundheitsmanagement?
Professor Weber: Arbeitszufriedenheit ist die individuelle Bewertung einer oft sehr komplexen Situation am Arbeitsplatz. Genauer gesagt versteht man darunter die positive oder negative Einstellung, die aus der subjektiven Bewertung der jeweiligen Arbeitssituationen und der Erfahrung mit dieser resultiert. In der Realität werden aber unter dem Begriff Arbeitszufriedenheit sehr unterschiedliche Dinge zusammen-gefasst. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, eine wissenschaftliche Klärung des Begriffs und seiner Aussagekraft herbeizuführen.
Für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) spielt die Arbeitszufriedenheit eine wichtige Rolle. Arbeitszufriedenheit ist im Kontext mit Motivation und Mitarbeitergesundheit zu sehen. Gesündere Mitarbeiter wiederum steigern die Produktivität und den Erfolg des Unternehmens. Arbeitszufriedenheit ist also eine Win-Win-Situation für Betrieb und Arbeitnehmer, die zum positiven Return on Investment beiträgt. Doch um Unternehmen von der Wichtigkeit zufriedener Mitarbeiter zu überzeugen, braucht das BGM Kenngrößen und Interventionsinstrumente, um Arbeitszufriedenheit messbar und somit auch vergleichbar machen zu können. Bisher läuft die Erfassung der Mitarbeiterzufriedenheit über Konstrukte, deren wissenschaftliche Wertigkeit noch nicht endgültig geklärt ist.
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